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Papier vs Digital – was ist besser?

FloKu. / photocase.com

Ach wie schön das noch war, als einem noch Telefonnummern auf den Handrücken geschrieben wurden. In den Vorlesungssälen die Papierflieger kreisten und im Briefkasten noch Post von der Liebsten war. Mittlerweile findet man ja fast nur noch freundliche Schreiben vom Finanzamt und schlecht kopierte Flyer von willigen Umzugshelfern. Heute wird digital angebandelt und notiert und gelebt und überhaupt. Aber hat Papier wirklich ausgedient, nur noch verzweifelt beschützt von ein paar letzten Bücherclubs und Zeitungsnerds?

Stift und Papier: gut für unmittelbare Kreativität

Papier ist was Unmittelbares, sofort zur Hand, kein Hochfahren, Neuladen, Abstürzen. Es ist da, immer und überall. Es muss ja noch nicht einmal Papier sein. Der Marquis de Sade hat sein schlüpfriges Gewaltwerk „die 120 Tage von Sodom“ in der Bastille auf einer Art Klorolle verfasst. Generationen von Schülern nutzen Tische, Bänke und Wände für ihre Spickprosa, man kann sich was auf die Jeans schreiben, auf einen Stromkasten oder in das Brandenburger Tor meißeln. Wer einen Stift, ein Messer oder einen Fingernagel hat, kann auf alles schreiben, was nicht wegrennt. Schnell und ohne Zusatzkenntnisse.

Smartphone, Tablet und PC brauchen Strom, Akkus, Einarbeitungszeit, man läuft dauernd Gefahr, sie entwendet zu bekommen und wenn endlich mal die Sonne scheint, dann lässt sich auf ihnen nur schwer etwas erkennen. Ein falscher Tastendruck, und das eben verfasste Antiarbeits-Traktat ist aus Versehen beim Chef im E-Mail-Postfach. Oder die Arbeit, an der man seit zwei Wochen sitzt, ist einfach weg wegen einer rauchenden Festplatte, eigener Blödheit oder einer kosmischen Verschwörung. Und man muss keine Tastenkombinationsgröße oder inDesign-Superheld sein, um mal schnell eine Skizze zu fertigen und ein bisschen herumzuscribblen. Papier ist billig, leicht und überall verfügbar. „Haste mal Stift und Papier“ funktioniert besser als „haste mal n’ Laptop“.

Digital: gut für die Ordnung und die Ewigkeit

Digital ist geordnet und beliebig verschickbar, es lässt sich in der Cloud für immer und ewig sichern, es bietet – wenn man weiß wie – unbegrenzt scheinende Möglichkeiten der Gestaltung, Ordnung, Vervielfältigung und nicht zu verachten: Die schlimmste Sauklaue kann ihm nichts anhaben. Man kann die Änderungshistorie nachvollziehen, beliebig zu früheren Varianten zurückspringen und alles wirklich sehr bequem in ein für jeden nachvollziehbares System kasernieren. Auch nicht gerade zu verachten.

Wie so oft also, muss man sich gar nicht entscheiden. Die meisten von euch nutzen wahrscheinlich sowohl Papier als auch den Rechner und all die anderen elektronischen Kostbarkeiten, die unser Leben noch mehr füllen – aber auch vereinfachen.

Für uns ein ganz klares Jein zum Papier. Und zu digital. In diesem Sinne, genießt die ersten wärmenden Sonnenstrahlen im Biergarten mit Block UND Laptop. Sonnencreme nicht vergessen!

 

 

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