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Das 10×1 fürs Bewerbungsgespräch

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In der Wirtschaftswoche heißt es “Mit diesen 10 Sätzen punkten Sie im Bewerbungsgespräch”. Und das liest sich dann so: “Ich bin mir sicher, dass ich auf einer Position mit einer solchen Entwicklungsperspektive langfristig sehr viel positiv bewegen und somit zum Unternehmenserfolg beitragen kann.”

Oder so: “Bei der Firma XY konnte ich beweisen, dass ich Mitarbeiter gut motivieren kann. Der Krankenstand in meinem Team ist gesunken und die Fluktuation hat sich bei x Prozent eingependelt.” Aber auch so: “Das Wichtigste ist, dass man auf sachlicher Ebene zusammen arbeitet und gesteckte Ziele erreicht.”

Super. Alles richtig. Aber: Agenturen ticken ein wenig anders. Deshalb haben wir jetzt mal die Punkte zusammengetragen, die unserer Meinung nach in unserer Branche gut ankommen:

Punkt 1: Motivation
Ihr sagt: “Warum ich zu Ihnen möchte? Na, weil ich Ihre Arbeiten einfach super finde!”
Wir denken: Ja. Jeder ist gerne geschmeichelt. Auch Agenturchefs (oder gerade die?).

Ihr sagt: “Seit ich denken kann, möchte ich zu XY und nur zu XY. Und jetzt sitze ich hier! Wahnsinn!”
Wir denken: Nein. Ihr Gegenüber hat einen siebten Sinn für zu viel Süßholz. Daher eine Nummer zu viel.

Punkt 2: Qualifikation
Ihr sagt: “Ich habe das und jenes studiert, diese und jene Praktika gemacht und damit insgesamt 1 Jahr Berufserfahrung.”
Wir denken: Knack und back, perfekt.

Ihr sagt: “Also ich bin in ABC in die Grundschule gegangen und dann in EFG in die XYZ  Schule und dann habe ich nach dem Abi eine Auslandsreise ins Outback unternommen. Als ich zurückkam, wusste ich nicht, was ich studieren soll, dann…”
Wir denken: Stopp! Ihr Gegenüber hat alles, außer Zeit. Also: Kurz fassen.

Punkt 4: Fähigkeiten
Ihr sagt: “Ich beherrsche HTML und bin fit in Indesign, weil ich ja vor meinem BWL Studium 1 Jahr Grafikdesign studiert habe.”
Wir denken: Respekt.

Ihr sagt: “Ich spiele Maultrommel in einer Band und backe in meiner Freizeit Ökobrote.”
Wir denken: Neeee. Interessiert keine Seele. Zumindest nicht im Erstgespräch.

Punkt 4: Stärken

Ihr sagt: “Ich bin ein absoluter Ideenmensch, aber auch ein guter Zeitmanager.” Ja! “Ich bin halt ein Ideengeber, mit Kleinkram wie Geld oder Zeiten gebe ich mich nicht ab.”
Wir denken: Nein. Ohne Profitdenken kann keine Agentur langfristig bestehen.

Punkt 5: Teamfähigkeit
Ihr sagt: “Natürlich kann ich Projekte alleine vorantreiben, aber mein Team ist mir super wichtig und gemeinsam erreichen wir doch viel mehr.”
Wir denken: Na klar! Auf keinen Fall?         

Ihr sagt: “Ich kann alles, mach alles, brauch kein Team, bin mir selbst genug.”
Wir denken: Selbstredend, warum das ein Knock out ist.

Punkt 6: Innovationsgeist
Ihr sagt: “Ich bin zwar kein Digital Native, aber privat beschäftige ich mich ständig mit Social Media und ich habe auch schon mehrere Blogs verfasst/den ebay-Shop meiner Tante geführt/Apps entwickelt.”
Wir denken: Volltreffer.

Ihr sagt: “Ich finde den ganzen Social Media Hype überzogen und Facebook ist ja auch gar nicht mehr sicher. Kluge Leute gehen ja massenweise raus inzwischen.”
Wir denken: Daumen runter. Will keiner hören.

Punkt 7: Schwächen
Ihr sagt: “Ich weiß, dass ich nicht der Weltmeister in Geduldsfragen bin, weil ich Dinge gerne zügig voranbringe. Aber natürlich kann ich auch daran arbeiten. Zumindest, mich bemühen!”
Wir denken: Auf jeden Fall.

Ihr sagt: “Schwächen? Wie! Hab ich nicht, kenn ich nicht.”
Wir denken: Auf keinen Fall. Weil Alleskönner unglaubwürdig sind.

Punkt 8: Wechselgrund
Ihr sagt:“Meine jetzige Arbeitsstelle ist sicher sehr lehrreich für mich. Aber ich habe das Gefühl, dass ich auf der Stelle trete und nicht wirklich weiter komme.”
Wir denken: Ja.

Ihr sagt: “Mein Arbeitgeber ist menschlich eine Vollkatastrophe, die Fluktuation in der Agentur liegt inzwischen bei 75% im Jahr.”
Wir denken: Autsch! Das behält man besser für sich. Der neue Arbeitgeber denkt sonst: “Aha! Und was erzählt er/sie demnächst über mich?”
 
Punkt 9: Konfliktfähigkeit
Ihr sagt: “Wenn es Probleme mit dem Kunden oder im Team gibt, versuche ich, den Grund herauszufinden und ganz offen mit der jeweiligen Partei darüber zu sprechen.”
Wir denken: So geht’s.

Ihr sagt: “Irgendwie laviere ich mich immer aus jedem Schlamassel.”
Wir denken: Zu salopp.

Punkt 10: Überforderung
Ihr sagt: “Hm, ich fürchte, das kann ich jetzt nicht beantworten, ich weiß es einfach nicht.”
Wir denken: Ehrlichkeit ist immer gut.

Ihr sagt: “Ich hab jetzt gleich einen Termin und würde die Frage beim nächsten Mal beantworten.”
Wir denken: Fettnapf! Zu arrogant. Sympathie bringt da wesentlich weiter.

Punkt 11: Kommunikationsfähigkeit
Berichtet uns, was ihr so erlebt habt in euren Vorstellungsgesprächen. Wir sind gespannt.

 

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